Erste Reaktionen auf das Verkaufsangebot von Eon Westfalen-Weser
Von Rainer Grotjohann Bünde/Rödinghausen/Kirchlengern (BZ). In den Bürgermeisterbüros im Kreis Herford dürften gestern die Telefone heiß gelaufen sein. Über den Rückzug der Eon AG aus OWL waren die Verwaltungschefs am Mittwochabend von Herfords Bürgermeister Bruno Wollbrink unterrichtet worden. Für die meisten seiner Amtskollegen kam die Wende überraschend.
»Es wird in jedem Fall eine Riesen-Herausforderung für die Kommunen«, betonte Bürgermeister Wollbrink: »Und der heutige Tag hat durchaus eine historische Dimension.« Die Reaktionen der Bürgermeister aus dem Bünder Land auf die Nachricht waren eher verhalten. »Nicht ganz unerwartet« ist für Kirchlengerns Bürgermeister Rüdiger Meier (CDU) das Angebot des Konzerns gekommen. Eine Rekommunalisierung des Unternehmens biete Chancen, Anlass für »Hurra-Stimmung« bestehe jedoch nicht. »Dieses Thema verträgt keine Emotionen. Hier ist kühles Rechnen gefragt.« Die Kommunen seien gut beraten, sich klar zu machen, warum sich der Mutter-Konzern aus der Regionalversorgung zurück ziehen wolle. Für Meier ist die Antwort klar. Der Stromriese reagiere auf die Energiewende. Immer mehr dezentrale Lösungen (Beispiel: Blockheizkraftwerke, Fotovoltaikanlagen) würden in Zukunft die Strommenge in den Netzen reduzieren. Während die vorhandenen Leitungen für den Stromtransport etwa aus Windkraftanlagen im Norden in Deutschlands Süden ungeeignet seien und deshalb andere Lösungen gefragt seien. Um diesen Veränderungen Rechnung zu tragen, brauche Eon Geld. Und habe deshalb das Kaufangebot unterbreitet. Kirchlengern hät zur Zeit knapp 0,4 Prozent der Gesamtanteile. Ob der Rat bereit sei, weitere Anteile zu kaufen, hänge letztlich vom Preis ab. Ob, wie einige Experten meinen, der Wert der kommunalen Anteile an Eon tatsächlich dramatisch gesunken sei, werde sich zeigen, »wenn Eon seine Preisvorstellungen nennt.« Meiers Amtskollege Ernst-Wilhelm Vortmeyer (SPD) sieht die vor zehn Jahren getroffene Entscheidung der Kommune Rödinghausen, seine EMR-Anteile nicht an den Stromriesen zu veräußern, im Nachhnein bestätigt. |
So sei kommmunaler Einfluss gesichert geblieben - gerade im Hinblick auf die Sicherheit der Versorgung vor Ort, »die auch ein Standortvorteil ist«. Jetzt biete sich die Chance, Stronversorgung wieder zu 100 Prozent in kommunale Hand zu bringen. »Und damit Projekte zum Klimaschutz und zum Verstärken des Bereichs alternativer Energien voran zu bringen.« Die Bürgermeister müssten so schnell wie möglich an einem Tisch zusammen kommen und das weitere Vorgehen abstimmen, fordert Vortmeyer. Und ist sich in diesem Punkt mit Bündes Bürgermeister Wolfgang Koch (CDU) einig. Er will eine völlig ergebnisoffene Debatte. Wenn sich ein börsennotiertes Unternehmen von einer Geschäftssparte trennen wolle, weil die Rendite nicht (mehr) hoch genug sei, bleibe zumindest zu fragen, ob sie den Rentabiltätsansprüchen einer Kommune entspreche. Er gehe zwar davon aus, dass der Kauf von Anteilen ohne größere Probleme durch die erwartenden Gewinne zu refinanzieren sei. Aber eine neu zu bildende Gesellschaft brauche eine gewisse Größe, um profitabel arbeiten zu können. »Wenn sich da nur Herford und Bünde zusammentun, kann das nicht funktionieren.« Was die ohnehin seit langem diskutierte Übernahme des Netzes angehe, gingen die Planungen vorerst weiter. Ende 2013 läuft das Konzessionsvertrag aus, in einem Interessenbekundungsverfahren hätten sich (wie auch in Kirchlengern und Rödinghausen) bereits mehrere Firmen gemeldet. Koch bestätigte, dass er Gespräche mit Nachbarkommunen geführt habe, »die sind aber noch nicht sehr weit gediehen«. Jetzt sei eine neue Lage enstanden. Zur Vorbereitung von Entscheidungen müssten die Städte und Gemeinden »geeignete Berater einschalten«. Die Frage, »ob man ein solches Unternehmen wirklich übernehmen will«, könne nicht in kürtester Zeit beantwortet werden. Ob es zu einem größeren Personalabbau kommen müsse, könne er derzeit nicht beurteilen. Sicher sei nur: »Zur Aufrechterhaltung des Netzbetriebes braucht man qualifiziertes Personal.« Artikel vom 27.01.2012
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