Rolli-Club und Sozialverband prüfen Barrierefreiheit in Gebäude im Auftrag des Landesministeriums
Bünde (ar). Stolperfallen lauern überall – auch gesunde Menschen kennen das. Nur zwei oder drei Zentimeter reichen bei unebenem Kopfsteinpflaster und schon ist es passiert. Für blinde oder gehbehinderte Menschen gibt es unendliche viele dieser Stolperfallen oder Barrieren. Günter Wieske, Kreisvorsitzender des SoVD, und Horst W. Krumsiek, Vorsitzender des Bünder Rolli-Clubs, wollen das ändern. Gestern haben die Beiden das Bünder Rathaus im Auftrag des Landesministeriums für Arbeit, Integration und Soziales in Sachen Barrierefreiheit unter die Lupe genommen. Weitere Gebäude sollen folgen.
Es handelt sich um ein Projekt, dessen Ziel es ist, verlässliche Daten zum Stand der Barrierefreiheit öffentlich zugänglicher Einrichtungen in NRW zu erheben und diese allen Bürgern über ein Internetportal zur Verfügung zu stellen.
Unter Federführung des Ministeriums für Arbeit, Integration und Soziales NRW, in Zusammenarbeit mit der Behinderten-Selbsthilfe und der Agentur Barrierefrei NRW wurden im 1. Halbjahr 2011 Kriterien erarbeitet, die einer solchen Bestandsaufnahme zugrunde gelegt werden sollen. Aus der Betroffenen-Perspektive wurden die Kriterien in vier Kategorien unterteilt: Anforderungen an die Barrierefreiheit für Menschen mit körperlichen Einschränkungen, für Menschen mit einer Hörschädigung, für Menschen mit einer Sehbehinderung und für Menschen mit kognitiven Einschränkungen.
Barrierefreiheit ist nicht erst seit Inkrafttreten der UN-Behindertenrechtskonvention ein wichtiges Thema und nicht nur für Menschen mit Behinderungen. |
„Seit der Ratifizierung der UN-Konvention besteht aber jetzt eine gesetzliche Verpflichtung zur Umsetzung der Barrierefreiheit“, sagt Günter Wieske. Um das Projekt zu unterstützen, hat er sich gestern mit Rollstuhlfahrer Horst. W Krumsiek und dem Hausmeister des Rathauses, Wolfram Westerfeld, aufgemacht, um im Rathaus kleine Vermessungen vorzunehmen. Dokumentiert wird nahezu alles: Parkplätze, Türen, Durchgänge, Rampen, Toiletten, Aufzüge, Automaten, Treppen und jede Stufe. Drei Stunden hat die Begehung des Rathauses deshalb gedauert. „Manches ist ein wenig zu gründlich und wird eigentlich nicht gebraucht“, findet Günter Wieske. Trotzdem sei das Projekt wichtig. Auch für Hausmeister Wolfram Westerfeld war der Rundgang ergiebig. Denn manchmal sind es nur Kleinigkeiten, die einem Sehschwachem das leben schwer machen. Zu kleine Hinweisschilder oder falsche Signalfarben. Dass lasse sich allerdings schnell verbessern, habe Westerfeld versprochen.
Unterm Strich habe das Rathaus gut abgeschnitten. Vor allem Rollstuhlfahrer hätten freie Bahn. Für sehbehinderte Menschen sei es aber schwierig, sich zurechtzufinden, sagt Günter Wieske. So genannte taktile oder auditive Hilfen zu Besserung der Orientierung fehlen. Alles könne man aber eben auch nicht erwarten, gibt der Vorsitzende des SoVD zu.
© 2012 Neue Westfälische 11 - Bünde, Dienstag 24. Januar 2012
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