Verdienstmedaille verdient und erdient

Martin Lohrie für seine Verdienste um den Sport und in der Kommunalpolitik ausgezeichnet

Von Rainer Grotjohann und Gerrit Nolte

Bünde (BZ). Im Rathaussaal ist kein Platz mehr frei, niemand von den geladenen Gästen hat abgesagt. Landrat Christian Manz hält fest: »Die Anzahl der Gäste ist ein Indikator dafür, dass jemand eine hohe Auszeichnung bekommt.« Er meint Martin Lohrie, der die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik bekommt.
Die Familie gibt dem gestern mit der Verdienstmedaille der Bundesrepublik Ausgezeichneten Kraft und Unterstützung: Martin Lohrie kann sich auf seine Frau Christiane und seine Tochter Imken verlassen.
»Verdient und erdient« habe sich der Leiter der Wichern-Schule in Minden diese Ehrung. Es sei »wichtig für die Glaubwürdigkeit dieser Auszeichnung«, sagte der Landrat, dass »außergewöhnliche Leistungen« im ehrenamtlichen Bereich erbracht würden. Dies sei bei Lohrie der Fall. Die Auszeichnung eines Einzelnen sei zugleich Ansporn für alle Menschen, sich ehrenamtlich zu engagieren. Bei dem 57-Jährigen sei die Verknüpfung seiner beruflichen Tätigkeit mit kommunalpolitischem Engagement und seiner Aktivitäten im Vereinsbereich, hier insbesondere im Sport, bemerkenswert. Als langjähriger Vorsitzender des Stadtsportverbandes und als Vorsitzender des TuS FA Dünne liege ihm die Förderung der Jugend besonders im Herzen. Was auch auch auf seinen Beruf zutreffe. Seit 14 Jahren leitet Lohrie die Wichern-Schule in Minden, eine Einrichtung für Kinder und Jugendliche mit geistiger, Mehrfach- oder Schwerbehinderung. Seit 1994 gehört er der FDP an.
Bürgermeister Wolfgang Koch hielt fest, die Ehrung für Lohrie sei auch ein »besonderer Tag für die Stadt Bünde und ein Zeichen dafür, dass es hier ein funktionierendes Gemeinwesen gibt.«
Bundestagsabgeordneter Frank Schäffler hatte seinen Parteifreund für die Verdienstmedaille vorgeschlagen. Er erinnerte daran, dass Lohrie zu einem für die Bünder LIberalen besonders schwierigem Moment der Partei beigetreten sei: im Herbst 1994, gleich nach der verlorenen Kommunalwahl. Zum ersten Mal war die FDP an der damals noch geltenden Fünf-Prozent-Hürde gescheitert. 17 Jahre Mitglied der Freien Demokraten - in Führungspositionen zähle das doppelt, sagte Schäffler. In einer ebenfalls nicht leichten Zeit habe Martin Lohrie für zwei Jahre den Kreisvorsitz übernommen. In Bünde stehe sein Name für die FDP. »Kontinuität, Bissigkeit und Engagement« zeichneten ihn aus und hätten sich letztlich auch mit sehr guten Ergebnissen bei zwei Bürgermeisterwahlen ausgezahlt: »Wir Freien Demokraten können stolz auf Dich sein.« Lohrie tue »nie etwas halb, sondern alles stets mit vollem Herzen«.






Als langjähriger Weggefährte im sportlichen und politischen Bereich würdigte Jürgen Brachem, Vorsitzender der TG Ennigloh, die Verdienste Lohries, mit dem er seit der Kindergartenzeit befreundet ist. Er tat dies stellvertretend für den Sport in der Stadt »als inzwischen dienstältester Vorsitzender der Sportvereine in Bünde«. Er erinnerte daran, dass Lohrie Mitte der 80er Jahre mit dem ehemaligen Stadtdirektor Manfred Beermann die Behindertensportgemeinschaft in Preußisch-Oldendorf gegründert und ihr 20 Jahre lang als Übungsleiter zur Verfügung gestanden habe. Später, als Vorsitzender des Srtadtsportverbandes, habe Martin Lohrie es »immer verstanden, Sport und Politik sinnvoll voneinander zu trennen, wobei es ihm gelungen ist, in der Stadt Bünde dafür Sorge zu tragen, dass Sport und Politik im Sinne des Allgemeinwohls zusammenarbeiten«. Das bei seine »bespielhafte Leistung für diese Stadt«. Für Lohrie, seit zehn Jahren Vorsitzender des FDP-Stadtverbandes und der Ratsfraktion, gelte stets das Grundprinzip »Zunächst das Allgemeinwohl, dann alle persönlichen Dinge.« Brachem schloss auch Christiane Lohrie in seine Dankesworte ein: »Ohne seine Frau als gute Privatsekretärin wären all diese Aktivitätennicht möglich gewesen.«
So sahen es auch Ernst Tilly und Hans-Jürgen Gronemeier, seit vielen Jahren Parrteifreunde und Mitstreiter des Geehrten. Im Sport und in der Politik, aber auch als Schulleiter, zeige er unermüdlichen und unerschrockenen Einsatz. Als Mannschaftskapitän sei er stets Teil der Mannschaft. »Du bist ja nicht der Wegweiser, der auf einer Stelle steht und den anderen für ihren Marsch die Richtung zeigst. Du läufst selbst mit und oft genug als Schrittmacher an der Spitze.«
Der so Gelobte fühlte sich »zerrissen zwischen Stolz und Beschämung« . Gerührt zeigte er sich darüber, dass der Chor »seiner« Schule die Feierstunde umrahmte. Was man ihm als Leistungen zurechne, habe er nur geschafft, »weil ich immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort war - und dort immer die richtigen Menschen getroffen habe«. Den Anfang habe er vor fast 42 Jahren mit seiner Frau gemacht. Manfred Beermann habe ihn bei einer Veranstaltung der Schützen auf die Gründung einer Behindertensportgemeinschaft angesprochen - »auch das ein Zufall«. Und Heinrich Clamor habe ihn schließlich zur FDP geholt, nannte Lohrie einige Beispiele.
Artikel vom 12.01.2012




Gute Laune beim Festakt: Bürgermeister Wolfgang Koch, Martin Lohrie und Landrat Christian Manz (von links).


12.01.2012 NW Bünder Tageblatt
24.01.2012 NW Bünder Tageblatt