Australien, Jazz und Dreiviertel-Takt

Die NWD spielte ihr Programm „Ferne Welten – Walzerwelten“ als Neujahrskonzert

VON NICOLAS BRÖGGELWIRTH

Bünde. „Ferne Welten; Walzerwelten“– so war das 13. Bünder Neujahrskonzert im Stadtgarten überschrieben.Die Nordwestdeutsche Philharmonie spielte unter Leitung von Kevin John Edusei und dem Gastmusiker Adrian Mears ihr Programm, mit dem sie neue überraschende Klänge und bekannte Melodien miteinander verband.

Fast 600 Personen waren zu Gast bei dem ausverkauften Konzert. Bürgermeister Wolfgang Koch führte mit einer Neujahrsansprache in den Abend ein. „2012 wird ein gutes Jahr werden“, prognostizierte Koch. „Es wird spannend und abwechslungsreich.“ Zwei Dinge seien es, die er herausheben möchte. Zum einen war es die Bildung. Viel sei in diesem Bereich im vergangenen Jahr investiert worden. Der Übergang von der Schule zum Beruf müsse vereinfacht werden, und ein besonderes Augenmerk müsse zukünftig auch den Kindern im Vorschulalter gelten, um die Familienfreundlichkeit der Stadt weiterhin gerecht zu werden.

Auch die Kultur und der Freizeitwert seien ganz wichtig für Bünde. Hier hob der Bürgermeister ganz besonders das Dobergmuseum hervor, das es nach seiner kürzlichen Wiedereröffnung unlängst auf über 1.700 Besucher gebracht hätte. Im Mai sei zum 75-jährigen Bestehen ein Museumsgeburtstag geplant, der auch Besucher aus der Umgebung anlocken soll.

Koch würdigte in seiner Rede zudem alle ehrenamtlichen Mitarbeiter der Stadt, besonders die des Krankenhauses, sowie die Polizei, die Feuerwehr und den Rettungsdienst. „Viele Aufgaben warten noch auf uns, die wir optimistisch anpacken sollten.“Nach seiner Neujahrsansprache galt der weitere Abend der Musik.

Begrüßt wurde das Publikum mit den vertrauten Klängen des „Kaiserwalzer“ von Johann Strauß.





Auch sein „Persischer Marsch“ mochte noch niemanden überraschen. Während der Jazz-Interpret Adrian Mears inzwischen schon bei der Interpretation eines Auszuges aus dem „Karneval der Tiere“ von Camille Saint-Saëns mit seiner Posaune auf der Bühne stand, kam er anschließend mit einem Didgeridoo zum Orchester und stellte seine Eigenkomposition „Waiting“ vor.

Ein australisches Volksinstrument und ein klassisches Orchester? Das geht nicht? Geht doch! Das zeitweise fast elektronisch klingende Instrument legte sich ganz elegant auf das sinfonische Bett, störte dessen Einheitlichkeit aber nicht, sondern blieb dezent darüber, darunter, daneben. Das Instrument verstärkte und kontrastierte die harmonisch betrachtet eher unaufgeregte Komposition.

Die Meinung des Publikums dazu war sehr ambivalent. Was einige für ein „sehr gelungenes Klangexperiment“ hielten, sorgte bei anderen Zuschauern eher für Belustigung und kommentierten es mit Zitaten wie „recht gewöhnungsbedürftig“.

Keinen Zweifel ließ Mears daran, dass er ein herausragender Solist ist, was nicht zuletzt sein unglaubliches weiches Posaunenspiel bewies. Der zweite Teil des Konzertes gehörte zum Großteil seinen Werken. Wer ihn als Komponisten nach diesen Abend beurteilen mochte, hatte wohl den Eindruck, dass er eher einer der leiseren und ruhigeren Töne sei. Das setzte aber einen wunderbaren Kontrapunkt zu den sonst eingängigen, klassischen Melodien von Schostakowitsch oder Dukas.

Doch wenn man am Sonntagabend auch offen für neue Klänge hat sein müssen, zum Schluss des Abends waren alle Gäste mit Sicherheit versöhnlich gestimmt, da sie als Zugabe zu den Klängen des Schlittschuhläufer-Walzers von Emile Waldteufel und dem Radetzky-Marsch, bei dem alle mitklatschten, in das neue Jahr 2012 entlassen wurden.

© 2012 Neue Westfälische
11 - Bünde, Dienstag 10. Januar 2012




Redner: Bürgermeister Wolfgang Koch.


10.01.2012 WFB Bünder Zeitung
12.01.2012 NW Bünder Tageblatt